Die schüchterne Gebrauchtmöbelhändlerin oder 1000 Fragen an dich selbst – #4

Weil Wochenmitte ist, mein Schreibmojo sich völlig übereilt in die Sommerpause verabschiedet hat und es überhaupt am dransten ist, habe ich heute den nächsten Teil der „1000 Fragen an dich selbst“ für euch. Alle Informationen zur Challenge und natürlich hunderte (!) spannender Antworten anderer Blogger findet ihr auf der Webseite der Initiatorin, Johanna von Pinkepank. Schaut mal rein!

Mir macht die Beantwortung der Fragen sehr viel Spaß, manche Themen lassen mich auch dann nicht los, wenn ich den Laptop schon lange zugemacht habe. Ich grübele ausgesprochen gerne, das trifft sich gut. Und wenn ich abends mal ausnahmsweise nicht beim Monsieur eingeschlafen bin, sitze ich mit meinen Mann zusammen, stelle ihm ein paar der Fragen, die mich beschäftigt haben und wir philosophieren so ausufernd wie fünfzehn Studenten in der Uni-Kneipe und zwei Bier zum Mittag. Wider die elterliche Vernunft geht das manchmal bis in die frühen Morgenstunden und wir sind dann gemeinsam den ganzen Tag gerädert, denn es gibt ja bekanntlich niemand gnadenloseren als kleine Kinder nach dem Aufstehen. Momentan beschäftigen uns einige nicht ganz so alltägliche Dinge wie Zeitreisen, Erdrotation, Sternbilder und Außerirdische… Man wird ja noch träumen dürfen!

Eine andere spannende Frage ist für mich, was nach der 1000. Frage geschieht? Wird sich etwas verändert haben, habe ich mich selbst besser kennengelernt? Welche Konsequenzen ziehe ich daraus – werde ich aktiv? Bleibt alles anders, oder ist die ganze Challenge schnell wieder vergessen? Der Weg ist noch weit, aber die Reise ist unglaublich spannend. Nach den 1000 Fragen werden also noch weitere folgen, die Fragen nach dem „Und nun?“ Jetzt aber genug geschwafelt, Vorhang auf für die Fragen 61 bis 80!

  1. Glaubst du an ein Leben nach dem Tod? Ja, das tue ich. Ich glaube zwar nicht, dass wir irgendwie als Geist in den Himmel fahren, wo das Paradies auf uns wartet und wir dann von oben runter gucken und sagen „Mensch, ist das toll hier!“ und alle unsere Vorfahren treffen. Aber es heißt ja, Energie ginge im Universum nicht verloren. Deshalb glaube ich, dass wir in irgendeiner Form weiter existieren.
  2. Auf wen bist du böse? Auf Menschen, die andere Menschen verletzten, missbrauchen, ausbeuten, vorführen, ausschließen, vorverurteilen, belügen und betrügen. Auf Profitgier und die Ausbeutung der Ressourcen.
  3. Fährst du häufig mit öffentlichen Verkehrsmitteln? Nach Berlin rein mit dem Auto? NIEMALS! Die Öffentlichen sind viel entspannter, wenn man ein dickes Fell und ein gutes Buch dabei hat. Meinen Kindern machen die Fahrten mit Bus und Bahn sowie mehr Spaß, weil sie dabei viel Neues entdecken kann und nicht die ganze Zeit still sitzen müssen. Bei uns draußen, so kurz vor den Toren der Hauptstadt, ist das Auto jedoch unverzichtbar. Ohne fahrbaren Untersatz komme ich alleine mit beiden Kindern nicht zur Kita, zum Einkaufen oder zu Freunden und Familie. Auch für Urlaubsreisen finde ich das Auto praktisch, weil wir damit unabhängiger und spontaner sein können. Und weil es sich anfühlt, als würden wir auch für die kürzesten Kurztrips den halben Hausstand mitnehmen…
  4. Was hat dir am meisten Kummer bereitet? Der Tod meiner Oma vor zwei Jahren hat mich sehr mitgenommen, obwohl ich Zeit hatte, mich darauf vorzubereiten. Trotzdem vermisse ich sie sehr und bin traurig auch darüber, dass sie meinen kleinen Monsieur nicht mehr kennengelernt hat. Er kam nur zwei Wochen nach ihrem Tod auf die Welt. Ich habe bei der Wohnungsauflösung einen alten Kalender gefunden, in dem sie seit der Geburt meiner Tochter jeden Monat vermerkt hat, wie alt die Madame genau ist, das hat mich sehr berührt. Sie wäre auf den kleinen Mann bestimmt auch sehr stolz gewesen.
  5. Bist du das geworden, was du früher werden wolltest? Ja und nein. Ich wäre eigentlich am liebsten Schauspielerin geworden, bin aber viel zu schüchtern und habe diesen Weg deshalb nicht verfolgt. Ich wusste auch schon immer, dass ich kein Karrieremensch und schon erst recht kein Ellenbogler bin. Mein Studienfach habe nach Interesse, nicht Karrierechancen gewählt. Ich habe gelernt, auf materiellen Wohlstand weniger Wert zu legen und mich an den kleinen, aber nicht selbstverständlichen, Dingen im Leben zu erfreuen. Ich brauche keine dicke Karre, kein Designersofa oder teure Klamotten. Zum Glück liebe ich alte Möbel und Ebay Kleinanzeigen. Wir verbringen viel Zeit zu Hause, auch wenn die Arbeit im Home Office nicht nur Vorteile hat, trägt sie dennoch sehr zu einer ausgewogen Work-Life-Balance bei. Auch wenn mein Mann und ich einige Abstriche machen müssen und die Produktivität manchmal stockt. Als Selbstständige ist unsere Zeit schwer planbar und es gibt keinen Zahltag X. Urlaube oder größere Anschaffungen sind für uns Luxus – dafür verbringen wir ganz selbstverständlich viel Qualitätszeit mit den Kindern!
  6. Zu welcher Musik tanzt du am liebsten? Da musste ich jetzt wirklich lange überlegen. Ich war schön sehr lange nicht mehr tanzen, aber wenn ich tanze gehe würde zu der Musik abtanzen, die ich mit Anfang 20 gehört habe, als das Leben so schön einfach und Nichtstun eine echte Option war!
  7. Welche Eigenschaft schätzt du an einem Geliebten sehr? An einem Geliebten schätze ich sehr, wenn er eine positive Einstellung zum Leben hat, eine „Gemeinsam können wir alles schaffen“-Mentalität, viel Humor und Zeit für lange Abende, an dem wir anhand unseres geballten gefährlichen Halbwissens über Gott und die Welt reden.
  8. Was war deine größte Anschaffung? Mein Auto. Unser Auto. Aber mein Auto. Ich liebe ihn, er heißt Frederic! Ein sehr zuverlässiger Geselle, das mag ich so an ihm.
  9. Gibst du Menschen eine zweite Chance? Ja. Menschen können sich verändern.
  10. Hast du viele Freunde? Nicht viele, aber dafür viele gute.
  11. Welches Wort bringt dich auf die Palme? Ha, das ist einfach: Weichmacher! Es gibt so Worte, die mein Mann immer wieder benutzt, einfach nur um ich zu ärgern. Weichmacher ist eines davon. Ansonsten könnte ich mich ellenlang über Menschen mit „Nach mir die Sintflut“-Attitüde aufregen, die unseren Planeten so behandeln, als hätten wir noch irgendwo ein Backup. Oder eine Verzeih-mir-alles-wieder-auf-Anfang-Taste. Haben wir aber nicht. HABEN WIR NICHT!!!
  12. Bist du schon jemals im Fernsehen gewesen? Ja, da war ich aber noch in der Grundschule. Mein Stiefvater war in der DDR ein bekannter Fernsehkünstler und hat mich immer mal in seine Projekte eingebunden. Mal musste ich irgendwelche Schilder hochhalten, mal im Kinderchor mitsingen. Einmal musste ich im Rahmen einer Familienshow spontan einspringen und über einen Balken übers Wasser balancieren – ohne Wechselklamotten in petto, klar. Ich bin übrigens nicht reingefallen, sondern mein Gegner!
  13. Wann warst du zuletzt nervös? Ich habe Angst vor Nadeln und schlechten Nachrichten und gehe nur zum Arzt, wenn es unbedingt sein muss. Ganz besonders schlimm ist meine Zahnarztangst, so irrational sie auch sein mag. Bereits Stunden vor dem Termin kann ich deshalb sehr nervös werden. Zum Glück habe ich in Berlin vor kurzem endlich einen Zahnarzt gefunden, der auf Angstpatienten spezialisiert ist und zu dem ich tatsächlich gerne gehe! Genauso kirre macht mich aber auch mein Blog: wenn ich bei einem Artikel auf „Jetzt veröffentlichen“ gedrückt habe, bin ich oft ganz aufgeregt und gespannt auf die Reaktionen. Das ist aber eine schöne Art von Nervosität.
  1. Was macht dein Zuhause zu deinem Zuhause? Zuhause ist der Ort, an dem ich mich wohlfühle. Wir sind letztes Jahr in ein kleines Haus mit Garten gezogen, und jetzt wo es endlich warm wird, fühle ich mich pudelwohl und bin glücklich, ganz viel Zeit an der frischen Luft verbringen zu können, ob morgens bei Sonnenaufgang mit einem frischen Kaffee auf der Terrasse, nachmittags beim Käfersuchen mit den Kindern oder abends beim Sternegucken mit meinem Mann.
  2. Wo informierst du dich über das Tagesgeschehen? Im Internet und über das Radio.
  3. Welches Märchen magst du am liebsten? Ich mag „Schneeweißchen und Rosenrot“ besonders gerne, denn davon hatte ich als Kind eine wunderbare Schallplatte und höre sie heute wieder oft mit meinen Kindern. Mein Lieblingskinderbücher sind „Ronja Räubertochter“ und „Die unendliche Geschichte“.
  4. Was für eine Art Humor hast du? Ich bin für schwarzen Humor zu haben, liebe Gesellschaftssatire und alles von Kishon.
  5. Wie oft treibst du Sport? Sehr selten. Ich habe noch keine Sportart gefunden, die mir wirklich Spaß macht. Beim Golfen habe ich mich angestellt wie ein Vollidiot, beim Tennis den Ball nicht gesehen und beim Volleyball dachte ich immer, ich würde mir gleich die Finger brechen. Da ich aber durchaus hohe Temperaturen und Strände schätze, wäre Extreme Snorkeling wahrscheinlich die perfekte Sportart für mich. Natürlich nur, wenn das Wasser angenehme Badewannengrade hat!
  6. Hinterlässt du einen bleibenden Eindruck? Ich bin eigentlich sehr schüchtern und in großen Runden eher ruhig. Ich kann das nicht gut einschätzen, aber auffallen tue ich wohl eher durch vornehme Zurückhaltung. Ich beobachte einfach gern und mag es nicht, gegen andere anzureden. Deshalb ist auch das Schreiben ist für mich die schönste Art, mich ausdrücken.
  7. Auf welche zwei Dinge kannst du nicht verzichten? Auf meine beiden Kinder. Oh, Dinge? Essen und Schlaf? Sind das Dinge? Ok, Materielles. Das kommt ja ganz auf die Situation an… eine Decke vielleicht, ohne Decke kann ich nur schlecht schlafen. Stift und Papier wären mir auch wichtig, oder eben mein Laptop. Hauptsache, ich habe die Möglichkeit, meine krummen Gedanken im Kopf zu geraden Linien zu formen.

Ihr seht, es folgt Erkenntnis auf Erkenntnis. Ich kann mit Stolz behaupten, glücklich zu sein, ich habe zwei fantastische Kinder, einen wunderbaren Ehemann und wir leben gemeinsam in einem friedlichen Land. Gleichzeitig weiß ich, dass bei uns längst nicht alles perfekt läuft. Es besteht noch Luft nach oben und es lohnt sich, stets am Ball zu bleiben, weil harte Arbeit sich lohnt. Wir haben Träume, und die wollen wir uns erfüllen und freuen uns auf die Dinge, die da noch kommen sollen. Tschakka und so.

Genug von mir! Mich interessiert jetzt brennend, auf welche zwei materiellen Dinge ihr nicht verzichten könnt? Diese Frage war für mich die, bei der ich bei weitem am längsten überlegen musste. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt. Wenn ihr diesen Teil der Fragen bereits selbst beantwortet und auf eurem Blog veröffentlicht habt, könnt ihr auch gerne den Link dazu in den Kommentaren hinterlassen!

So long,

Eure schüchterne Gebrauchtmöbelhändlerin

 

 

 

 

 

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