Das gottlose Naturkind oder 1000 Fragen an dich selbst – #2

Kommen wir zum nächsten Teil der Blogparade „1000 Fragen an dich selbst“, initiiert von Johanna von Pinkepank. Während andere Menschen schon beim neunten Teil der 1000 Fragen an dich selbst-Challenge angelangt sind, hinke ich hinterher wie ein angeschossenes Kaninchen, verzweifelt „Wartet! Ich hole auf! Iiiiiich schaaaffeee daaaas!“ rufend.

Es passt zu mir, dieses spätzünderische-lari-fari-ich-kann-nur-unter-enormen-Druck-geil-abliefern-Ding. Dass ich lieber tausend Dinge auf einmal mache, als tausend Fragen in wöchentlich-geregeltem Turnus zu beantworten. Dass ich stundenlang an Formulierungen schraube, als gelte es, den Fragebogen als meine Doktorarbeit einzureichen. Dass ich mich auch schnell mal ablenken lasse, vom Leben und so. Das Alles unterstreicht jedoch lediglich meine Authentizität: Hier schreibt kein Roboter, hier schreibe ich, so wie ich bin. Ich brauche eben viel Denkzeit und noch mehr Schreibzeit. Und ganz manchmal möchte ich auch einfach nur sinnlos in der Gegend rumsitzen, die Sonnenstrahlen genießen und zwölf Kaffee trinken. Die Mütter unter uns Gebetsschwestern wissen, dass es diese Momente, sollen sie denn länger als einen Wimperschlag dauern, nur dann geben kann, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Da wollen manche Minuten eben auch sinnfrei genutzt werden.

Wisst ihr noch, wie mich die ersten zwanzig Fragen unter anderem als unfreiwillige Vergnügungsparkparkverweigerin geoutet haben? Nun geht es munter weiter, ihr seid bestimmt gespannt, welche Abgründe sich diesmal auftun. Willkommen bei Teil Zwei, Fragen 21 bis 40, oder: Was mache ich eigentlich hier und wenn ja, was kostet es mich?

Nebenbei bemerkt: Formatierung is a bitch. Sehet selbst:

  1. Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken? Ja, das ist es. Ich denke oft darüber nach, was andere wohl von mir halten, ich lebe ja auch nicht im luftleeren Raum. Ich weiß, dass meine Entscheidungen von außen sehr kritisch beäugt werden, ich kann nämlich gut zwischen den Zeilen lesen. Mein Mann und ich leben eben eher unkonventionell, wir sind nicht festangestellt und haben daher oft klamme Zeiten. Damit stoßen wir oft auf Unverständnis bei Menschen, die ein „geregeltes Leben“ führen. Natürlich fehlt uns oft die Planbarkeit und finanzielle Sicherheit. Ich arbeite dran. Ich weiß, dass hinterm Rücken viel geredet wird. Meine Bitte lautet an dieser Stelle: Hast du ein Problem, dann sprich mich doch bitte direkt darauf an!
  2. Welche Tageszeit magst du am liebsten? Den Morgen, den sehr frühen. Abends, wenn die Kinder im Bett sind bekomme ich gar nichts mehr auf die Reihe, höchstens stupides Verräumen der Dinge, die vom Tage übrig bleiben. Mein kreatives Ich liegt ab 21 Uhr quasi schon mit den Kindern im Bett pennt, der Rest des Körpers kapituliert kurze Zeit später. Manchmal wache ich dann schon um 5 Uhr in der Frühe auf, koche mir einen Kaffee und genieße die Stille vor den personifizierten Wirbelstürmen und freue mich über den anbrechenden Tag. Ich plane, schreibe, schaffe. Und wenn der Tag dann so richtig los geht, mit viel Täterätätä und Bummsfallera, dann habe ich schon mehr erledigt als manchmal in einer kompletten Woche.
  3. Kannst du gut kochen? Ich denke schon, aber ich koche nicht unbedingt gerne. Es ist eben eine Notwendigkeit, denn für mich gehört eine abwechslungsreiche und gesunde Ernährung eben zu meinen Aufgaben als Mutter dazu. Ich probiere gerne Neues aus und freue mich, wenn es gut beim Rest der Familie ankommt.
  4. Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten? Sagen wir mal so, mich lockt der Gedanke daran, auf zwei schmalen Brettern an einem verschneiten Abhang zu stehen, nicht hinterm Ofen vor. Ich fühle mich am wohlsten in warmen Gefilden, feuchtwarm sollte es sein, direkt tropisch. Ich spielte schon einmal mit dem Gedanken, in eine Schmetterlingsfarm einzuziehen. Leider muss ich zugeben, dass tägliche Hitze, so wie in meiner Zeit in Dubai, auch keinen Spaß macht. Was habe ich unser europäisches Klima vermisst, vor allem den Geruch nach frischem Gras und Waldluft. In Dubai roch es immer nach Sand, Sand, Sand. Das war nicht so prickelnd.
  1. Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht?Während meiner Zeit als Flugbegleiterin 2013. Da gab es diese Flüge zu Destinationen, da blieb man dann ein bis zwei Tage bis es wieder zurück ging. Ich habe diese Stunden oder Tage oft mit ausgiebigem Nichtstun verbracht, inklusive Einweichen im Pool und Zimmerservice.
  2. Warst du ein glückliches Kind? Wir hatten viele Tiere, Katzen, Hasen, Schildkröten, einen Hund, mal eine Ziege, ein Huhn, eine Elster, eine Möwe, ein Schwein. Meine Mutter leitete nebenberuflich sozusagen ein Tierasyl. Das habe ich sehr genossen und viel Zeit im Freien verbracht, bin durch die Wälder gestromert und habe alles um mich herum genau beobachtet. In diesen Momenten habe ich ich sehr glücklich gefühlt. Der Rest: meh. Meine Eltern haben sich noch vor meinem 1. Geburtstag getrennt und einen echten Papa kann eben niemand ersetzen. Ich wurde bereits mit 3 Monaten fremdbetreut, das war in der DDR so üblich, aber eben auch nicht gerade förderlich für die Mutter-Kind-Beziehung. Außerdem denke ich, dass meine Mama damals noch gar nicht richtig bereit war für ihre Rolle als Mutter. Das habe ich einfach gespürt.
  3. Kaufst du oft Blumen? Nein, viel zu selten. Aber wenn ich es tue, freue ich mich sehr über den Anblick schöner, frischer Blumen. Ich liebe überhaupt Pflanzen, nur leider lieben Pflanzen mich nicht. Und außerdem habe ich kleine, neugierige, rupfende, grabwütige Kinder als Mitbewohner. Say no more.
  4. Welchen Traum hast du? Ach, einige. Nach Neuseeland auswandern ist nur einer davon. Mein größer Traum ist es, wirklich erfolgreich zu sein mit der Sache, die ich liebe zu tun.
  5. In wie vielen Wohnungen hast du schon gewohnt? Ich fange an zu zählen bei meiner ersten eigenen Wohnung bzw. WG: es sind 10.
  6. Welches Laster hast du? Mit der Mutterschaft sind meine Laster zum Weinen in den Keller verschwunden und fristen dort seither ein sehr eintöniges Leben. Aber eines Tages werden sie hervor kommen und zu mir sagen: „Hier sind wir wieder, it’s so good to be back! Und wow, du bist um keinen Tag gealtert! Hoch die Tassen!“ Darauf freue mich ich mich schon. So in 18, 20 Jahren.
  7. Welches Buch hast du zuletzt gelesen? „Völlig fertig und irre glücklich“ von Okha Rohd. Sehr zu empfehlen. Dabei fällt mir auf, dass das schon ein bisschen lange her ist… Zählen auch Titel wie „Nur noch kurz die Ohren kraulen?“, „Die Schöne und das Biest“ und „Das große Auto-Wimmelbuch“? Und alles andere, was ich täglich so vorlese? Dann möchte ab sofort Marcelina Reich-Ranicki genannt werden, bei dem Buchstabenkonsum.
  8. Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst? Für mich zählt Bequemlichkeit: Die Haare müssen aus dem Gesicht! Ich hasse es, wenn kleine, klebrige Kinderhändchen sich in den Haaren verheddern, ziehen, ziepen und was ihnen sonst noch einfällt. Außerdem kann ich mit offenen Haaren im Alltag keinen klaren Gedanken fassen, aus demselben Grund habe ich übrigens auch keine langen Fingernägel. Mir ist der Schnitt im Mamibun nicht so wichtig. Außerdem lassen meine Haare wenig Spielraum für eine außergewöhnliche Frisur, sie sind weder wirklich glatt, noch wirklich lockig. Naturhaarfarbe: Mischköterlike. Der Tag, an dem ich die perfekte Frisur und die perfekte Haarfarbe für mich finde, würde fortan als internationaler Feiertag in meinem Kalender vermerkt.
  9. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig? Nein, ich mag mein Mobiltelefon eigentlich gar nicht so sehr. Eher empfinde ich es als Belastung, diese komische Form von Erreichbarkeit. Das Handy ist auch eine Prokrastinationsmaschine, was habe ich schon wertvolle Zeit daran verschwendet, irgendwelche Youtube-Videos zu schauen. Und doch brauche und benutze ich es jeden Tag, denn ich muss am Ball bleiben, so sehr es mich auch manchmal nervt.
  10. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto? Stets wenig. Ich kann Geld nicht leiden und möchte es meist schnellstmöglich loswerden.
  11. In welchen Laden gehst du gern? Ich liebe TK Maxx, aus diesem Laden bin ich noch NIE mit leeren Händen gekommen. Ähnlich halte ich es mit IKEA. Ansonsten besuche ich leidenschaftlich gerne Flohmärkte und Second-Hand-Läden. Den Rest erledige ich online.
  12. Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe? Am liebsten was mit Wodka. Und dazu einen Schnaps. Wenn ich sehr durstig bin und dem Public Viewing fröne, dann natürlich Bier. Dazu Schnaps. Das mit dem Schnaps muss wohl aus der Zeit rühren, da ich beim größten deutschen Fabrikanten für Kräuterlikör angestellt war. Wie man sieht, bin ich sehr loyal.
  1. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen? Ja, leider! Diese Macke hatte ich früher nicht.
  2. Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit? Ich wäre gerne Investigativjournalist. Oder Kinderbuchautorin. Romancier. Irgendwas mit Buchstaben jedenfalls.
  3. Willst du immer gewinnen? Nein. Nachdem ich in der Grundschule beim Betreten des Siegertreppchens auf dem Papp-Podest eingesunken, nach vorne auf eine Holzbank geknallt und daraufhin ohnmächtig geworden bin, habe ich nicht mehr viel übrig für sportliche Wettkämpfe mit Medaillenregen. Mir fehlt es letztlich vor allem an Ehrgeiz und der nötigen Ellenbogenmentalität. Ich mag es lieber, wenn alle gewinnen.
  1. Gehst du in die Kirche? Wenn meine Oma es wollte, dann ja. Ich konnte ihr damit eine Freude bereiten und habe es gern getan, weil es ihr wichtig war. Sie sang im Kirchenchor und war ein geschätztes Mitglied ihrer Gemeinde. Leider ist sie inzwischen verstorben. Letztes Weihnachten waren wir in der Kirche, wir wohnen nämlich quasi direkt neben einer. Es war sehr schön und ich habe die Atmosphäre und die Weihnachtslieder sehr genossen, aber als die Predigt kam, war ich raus. Ich kann mich einfach nicht mit dem Glauben an Gott identifizieren.

Die nächsten zwanzig Fragen sind damit also überstanden. Diesmal waren ein paar Fragen dabei, die mir an die Nieren gegangen sind, also gute wie auch schlechte Erinnerungen geweckt haben.

Heutiges Fazit: Ich bin ein gottloses Naturkind ohne grünen Daumen, aber mit einem adresswechselhäufigkeitsbedingten Schufa-Score von minus tausend. Kann es noch besser werden mit der Selbsterkenntnis? Kaum. Aber noch sind ein paar Fragen übrig. Bis ganz bald, der nächste Teil ist ja schon überreif. Und nicht vergessen: Be happy!

Eure Jasmin

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