It’s a hard blog life: Eine Runde post-Valentinstags-Schulterklopfen für alle, die es trotzdem tun

Bloggen, das klingt immer so nach Latte Machichu am MacBook Pro auf Designercouch (gesponsort) in Wohlfühlklamotten (auch gesponsort). Halbe Stunde/ Stunde am Tag rumclickern, höchstens, ansonsten Beene hoch, Amerika und dreitausend Euro aufm Konto. Nun, weit gefehlt. Wenn ich von Bloggerinnen lese, die drei Kinder haben, einen Vollzeitjob und dazu noch einen beliebten Blog am Laufen halten, dann erstarre ich quasi vor Ehrfurcht. Bloggen ist Arbeit. Wer davon tatsächlich leben kann, arbeitet garantiert mehr als 40 Stunden die Woche, nicht 9 to 5, eher 5 to 9. Die meiste Zeit geht dabei sicher nicht für gemütliches Schreiben drauf, sondern eher für’s Streuen und Netzwerken. Ich höre immer nur clicks, leads, stats! Diese ganze Suchmaschinen-Algorithmik hinter der Blog-Poesie geht mir tierisch auf den Geist, und doch kann ich mich ihr nicht entziehen.

Manchmal würde ich am liebsten in einen Raum voller computernder Nerds stürmen und fragen: „Kann hier mal jemand mein SEO!?!“ Dann alle 837 Passwörter hinklatschen und ab. Wisst ihr, ich war früher mal romantisch und litt unter der Vorstellung, ich könnte da was bewegen auf der Welt, verändern, besser machen. Ich habe dieses Talent und diese Leidenschaft, das Schreiben, dazu noch diese tausend Ideen im Kopf. So ein Blog, dachte ich, das wär was, und dann, eines Tages, gibt’s wieder Bienen zum Beispiel. Ganz einfach eigentlich. Ich habe keinen Nerv für Technik, damit meine ich Computerkram, damit meine ich das Internet, damit meine ich vierhundert Accounts und hashtags und was nicht alles. Coding kills creativity. Ich möchte schreiben, ohne dabei ständig über Schlagwörter und backlinks nachdenken zu müssen.

Nein! NEI-HEN. Kannste vergessen, dass irgend jemand einfach so deinen Scheiß liest. (Alle Suchmaschinenoptimisten im Chor: „Wie auch, es findet ja keiner deinen unrankbaren Scheiß!!!“) Ich prangere an, dass es höchst unromantisch ist, wenn mich, beim Versuch die Welt zu retten, jemand beiseite nimmt und sagt: Mit DEN Follower-Zahlen die Rettung der Erde influencen? Ich bitte Sie! Und wer soll Affiliate sein, Großmutter Weide vielleicht?“

Ich investiere also mindestens dreimal so viele Stunden in die „Pflege“ meiner unzähligen, angeblich unverzichtbaren und reichweitepotenzierenden Accounts, wie in meine Artikel. Warum tue ich das alles? Weiß der Teufel. Na gut, ich weiß es auch. Meine Worte wollen eben gelesen werden. Haben sie mir neulich geflüstert. Sie geben sich nämlich immer sehr viel Mühe, wollen informativ und unterhaltsam sein. Sind authentisch. Sie möchten zum Nachdenken anregen, zum Lachen, Weinen, Tänzeln. Manchmal sind mehr Worte da, manchmal weniger, aber wenn sie einmal da sind, dann bleiben sie auch, 24/7.

Meine Worte wollen nie Urlaub, Elternzeit, Krankenschein. Frag mal meine Worte nach Word-Life-Balance. Haben die noch nie von gehört. Dabei machen sie sich nackig, vor wildfremden Menschen! Sie werden verfolgt und auch – aua – entfolgt, wobei ersteres eigentlich schlimmer ist, zumindest im wahren Leben, in der virtuellen Welt aber irgendwie sehr wichtig scheint. Im besten Falle werden sie sogar weitergegeben. Sie werden interpretiert, kritisiert, gejudged und gewiss auch nicht immer gemocht. Sie werden auch missverstanden, das ist ihnen dann immer sehr unangenehm. Das ist das Los des geschriebenen Wortes, welches ohne Mimik, Gestik oder Tonfall auskommen muss und sich nur allein auf sich selbst verlassen kann. Die einzigen Helfer meiner Worte sind kursiv und fett: diese beiden können hervorheben und betonen, oder sie kennzeichen geschriebene Worte, die als gesprochene Worte zu verstehen sind. Weil Worte meine Sprache sind.

Ständig wollen sie sich verbessern, meine Worte, und immer noch deutlicher, unterhaltsamer, authentischer sein. Es sind Arbeitstiere. Keine Beschwerden von ihrer Seite. Doch dürfen es auch nicht zu viele sein! Es hat heutzutage ja niemand mehr Zeit zum Lesen, gerade nicht in der S-Bahn. Artikel lassen sich auch so schlecht swipen.

Meine Worte wollen nicht jedem gefallen, und das mag ich so an ihnen. Sie haben eine Meinung und die tun sie kund, ohne Blatt vorm Mund. Anderen schaden oder sie bloßstellen, das möchten meine Worte nicht. Sind sie nicht toll, so fleißig, ehrlich, und gut? Sie sind schnell zu haben, geradezu billig. Wieder so eine Sache, die im echten Leben irgendwie schattig klingt, oder?

Liebe Worte, ich bin stolz auf euch, jedes einzelne von euch. Ich stehe zu hundert Prozent hinter euch. Wir machen weiter, auch wenn ihr manchmal das Gefühl habt, es ginge gar nicht mehr um euch, sondern nur um die Statistik. Lasst uns jede Woche einen neuen Song komponieren. Ihr seid wertvoll, denn ihr kostet Zeit. Ich verspreche euch, ich werde in Zukunft wieder mehr Zeit darauf verwenden, über euch zu grübeln, als Log-in-Daten zu suchen. Ich weiß, das Leben als ist hart in einer Welt, in der verfilterte Bilder viel eher geherzt werden als 1000 Worte. Doch was gut ist, setzt sich durch. Wir müssen noch viel lernen und noch viel mehr arbeiten. Vielleicht werden wir auch ein paar Klinken putzen müssen, liebe Worte. Ihr seid meine Stimme, mein Herzblut. Ich weiß, dass auch ihr Lob braucht. Jedes Feedback, sei es als Share, Like oder Kommentar auf Pintwittergrambookchat, geht runter wie Öl. Das geht bestimmt auch anderen Worten so, denn das allein ist der Lohn, das Brot, für eure Mühen, für eure Beständigkeit. Danke!

Liebe Leser, liebe Bloggerkollegen: Keep it up and spread the good word! 

Eure Jasmin

 

 

 

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2 thoughts

    1. *mit rötlichem Schimmer im Gesicht* Ich daaaaaanke Dir! Das kann ich nur zurück geben, ich mag Deinen Blog nämlich sehr gerne! Gerade habe ich „Von Windeln, Wäsche und Wahnsinn“ gelesen und mich kringelig gelacht. Jetzt trinke ich vor Freude auch einen Schnaps – auf Dich! Prost!

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