Ein Fuß im Rücken kann auch entzücken? Warum Co-Sleeping nichts für Weicheier ist

Follow my blog with Bloglovin

Wir haben zwei Kinder, 4 und bald 2 Jahre alt. Es gibt zwar keine Zweifel, aber manchmal kann ich kaum glauben, dass die beiden miteinander verwandt sind. Nun, es besteht natürlich eine gewisse optische Ähnlichkeit, aber auf die kann sich ja keiner verlassen. Ich spreche aus Erfahrung, denn mir wurde in meinem Leben nicht nur einmal erzählt, wie sehr ich meinem Stiefvater ähnlich sehen würde. Also, abgesehen von der beinahe zwillingshaften Ähnlichkeit der ersten paar Lebensmonate, haben Madame und Monsieur nicht sehr viel gemeinsam. Na gut, den Sturkopf. Aber das ist alles, wirklich.

Schlösser & Baustellen 

Meine Madame ist also ein Mädchen, ganz typisch, mit einer sehr gewissenhaften Liebe zu allem, was ihre Mama als visuelle Zumutung empfindet, also pink ist und mit Eisköniginnen, Elfen oder grenzdebilen Ponys zu tun hat. Dass ich dasselbe nicht mit unserem kleinen Mann durchmachen muss, liegt auf der Hand. Doch auch er hat sich offenbar sehr früh sehr gut darüber informiert, wa sich für Jungs schickt und bleibt allen gängigen Klischees treu. Er liebt alles, was vier Räder hat, gerne mit Baustellen assoziiert wird (Bagger, Kipper, Trecker) oder laut und nervig ist (Krankenwagen, Feuerwehr). Matschen im Dreck oder am Essenstisch. Sein drittes Wort: „Ball“. The list of Jungssachen goes on.

Das ist erstmal nicht dramatisch, eben typisch Junge / Mädchen. Langweilig zwar, denn ich habe mir meine Tochter ja eher als freche Pippi oder verwuschelte Räubertochter imaginiert, aber Kinder wären nicht Kinder, würden sie tun, was Eltern von ihnen verlangten. Ich mache mich also brav mit sämtlichen alten und neuen Disney-Prinzessinnen vertraut und akzeptiere mein Schicksal. Schuld am Interesse meiner Tochter an schnödem Mädchenkram ist natürlich die Kita, voller Mädchen und deren mädchenhaften Mädchengehabe. So weit, so gegendert.

Doch wisst ihr, was meine glitzerliebende Tochtermadame ganz und gar nicht ist? Ein Mamakind. Außer bei Mama-holst-Du-mal oder Mama-kannst-du-jetzt-bitte. Papa ist in den Augen meiner Tochter anscheinend weder in der Lage zu holen, noch zu bringen oder überhaupt irgendwie behilflich zu sein. Sie ist auch kein Papakind, höchstens wenn Mama mal meckert. Sie ist ein Kinderkind. Ihr Lieblingswort lautet „selber“, der Lieblingssatz ist: „Lass mich!“

 Meine Tochter im Familienbett? Träum weiter!

Das Co-Sleeping widerspricht ganz und gar dem selbstbestimmten Charakter meiner Tochter. Vor lauter Eigenständigkeit schlief sie bereits in den ersten Monaten überaus friedlich allein im Beistellbett und mit sieben Monaten im eigenen Bettchen des eigenen Zimmers. Mit zehn Monaten stillte sie sich, ganz unkompliziert, selbst ab. Bloß keine Abhängigkeit vorschützen. Kuscheln? Nääääh. Im Elternbett schlafen? Auf keinen Fall. In viereinhalb Jahren hat unser großes Mädchen höchstens zwei Mal bei uns geschlafen, aus Krankheitsgründen und nur mit mindestens 40 Fieber. Ansonsten besteht sie auf ihr eigenes Bett und die Freiheiten, die es mit sich bringt: endlos viel Platz und die Möglichkeit, ungeachtet jedes Zapfenstreichs aufzustehen, eine CD einzulegen und zu tun, was ihr eben so um 3 Uhr morgens in den Sinn kommt. Hauptsache, in ihrem Zimmer ist es schön laut und schön hell. Ich schätze die Unabhängigkeit und das Selbstbewusstsein meiner Tochter heutzutage sehr, als frischgebackene Mama hat es mich jedoch oft traurig gemacht, dass sie so selten in den Arm genommen werden wollte. Das muss Kind 2 wohl irgendwie mitbekommen haben…

Ohne Mama geht es nicht

Ihr Bruder, unser kleiner Monsieur, ist das Gegenteil. In drei Wochen wird er 2 Jahre alt, unsere Heulboje, Deckname Kuschelbär. Er ist recht zart besaitet und braucht sehr viel Körperkontakt. Seit nunmehr 768 Tagen schläft er im Elternbett und verweigert jegliche „Mannzipation“. Die Nächte, die er komplett im eigenen Bett verbracht hat, kann ich an einer Hand abzählen; selbst dann hatte mindestens ein Elternteil, auf 70x140m gequetscht, die ersten paar Stunden neben ihm zu liegen. Unser Sohn liebt es, zu kuscheln und schläft nur dann durch, wenn er sicher weiß, dass er in der Nacht jederzeit und ohne viel Aufwand Mama oder Papa mit seinen Füßen in die Rücken pieken könnte.

In den ersten Monaten verhielt sich unser Sohn wie viele Babys und schlief recht unkompliziert, am liebsten beim Stillen ein, zufrieden vor sich hin zuzelnd. Sollte er abseits des Stillgeschäfts, zum Beispiel, Gott bewahre, in Papa’s busenlosem Beisein einschlafen, ging das nur auf dem Arm oder in der Babytrage. Sanftes Wiegen reichte hier nicht aus, wir bewegten uns nunmehr tanzend und hopsend durch das stockdunkle Zimmer, im Schichtbetrieb, damit keiner zusammenbräche. Im Laufe der Zeit entwickelten wir ein rückenschonenderes Einschlafritual: Sohnemann liegt rücklings auf dem Papa’s oder Mama’s Oberkörper und dämmert verlässlich, anhand einer von mir ausgeklügelten und über Monate hinweg perfektionierten Bewegung, dem wellenartigen Schuckeln, weg. Das war zwar auch unglaublich anstrengend, ließ mich aber praktischerweise ganz nebenbei meine Bauch- und Beckenbodenmuskeln trainieren.

Was sagt Papa über das Familienbett?

Bei unserem Bett von 1,40m Breite ist für Papa leider oft kein Platz mehr. Das hat zur Folge, dass mein armer Ehemann viele unbequeme Nächte allein auf der Couch schnarcht. Zeitweise hatten wir sogar eine extra Matratze neben unserem Bett liegen, um überhaupt ein paar Stunden gemeinsam in einem Raum zu verbringen. Sohnemann’s Bettchen stand noch bis vor 4 Monaten im Elternschlafzimmer, konnte bald selbst auszusteigen und kam immer irgendwann zu uns gekrabbelt. In fast 2 Jahren ist er nur ein einziges Mal ohne Mama oder Papa an seiner Seite ins Traumland gesegelt. Meist schlafen wir händchenhaltend ein. Ist er noch nicht wirklich müde, wünscht der Sohn sich Publikum beim Quatschen, Lachen und in die Hände klatschen. Ist ihm langweilig, überspielt er dies gekonnt, indem er herzhaft in der nächsten Nase bohrt oder im Ohr pult, das niemals sein eigenes ist. Das bringt uns Eltern bisweilen an die Grenze der Belastbarkeit, doch was tut man nicht alles! Unser kleiner Mann genießt die Wärme, die Nähe, und er merkt natürlich sofort, wenn man aufsteht. Dann hält er den Elternfinger so fest, dass es beinahe unmöglich ist, sich aus dieser bedingungslosen Umklammerung zu winden.

Normalerweise plane ich auch nicht, dass mein Tag um spätestens halb neun endet, und doch bin ich schon unzählige Male beim Sohnemann eingeschlafen. Immer in voller Montur, mit Schminke und Kontaktlinsen. Das ist einerseits ganz praktisch, so kann ich morgens ohne Umschweife damit beginnen, die Küche vom Vorabend aufzuräumen. Andererseits ärgert es den Ehemann immer unheimlich, denn natürlich wäre der Abend ja die Zeit, in der man sich mal wieder als Paar begegnen sollte. Reden, planen, oder mal ein Weinchen trinken und dazu netflixen. Leider kommt mein Ehemann beim Co-Sleeping nicht „auf seine Kosten“, eheliche Pflichten werden arg vernachlässigt. Es ist recht eng und unbequem so zu dritt auf einsvierzig, einer fällt quasi immer aus dem Bett, und das ist in keinem Falle der Sohn. Kuscheln oder gar ausgiebigere Paaraktivitäten werden auf ein Minimum reduziert. Neben meinem Kind Sex zu haben empfinde ich eher als stressig, denn ich fühle mich beim Anblick des süßlich schnorchelnden kleinen Mannes neben uns, mehr als Mami denn als Liebhaberin, daher kann ich mich nicht entspannen. Das ist wohl auch der einzige Nachteil am Familienbett, es ist allerdings ein großer.

CO-Sleeping: Was ist zu beachten?

Obwohl ich viele solcher „Eltern-Abende“ verpasst habe, genieße ich die Zweisamzeit mit dem Jüngsten in vollen Zügen. Ich schlafe selber ruhiger, wenn er in meiner unmittelbaren Nähe ist; die Angst vor dem plötzlichen Kindstod verfolgt viele Eltern in den ersten Monaten.

Studien zufolge ist es sicherer, wenn das Baby lediglich im selben Zimmer mit den Eltern schläft, das wusste ich aber auch schon ganz intuitiv. Beim Co-Sleeping gilt es, einige Dinge zu beachten. Das Schlafen im Elternbett wird oft als gefährlich eingestuft, weil das Kind unter Kissen, Decken oder gar den Eltern ersticken könnte. Das Kind sollte daher nicht zwischen den Eltern schlafen, sondern am besten neben Mama, und die Seite sollte so gesichert sein, dass es nicht hinaus fallen kann. Ungeachtet der Gefahr für Leib und Leben fühlt sich unser Sohn jedoch zwischen Mama und Papa am wohlsten. Spätestens nach dem morgendlichen Aufwachen quetscht er sich mit einer Dringlichkeit zwischen uns beide, die seinesgleichen sucht. Nach erfolgreicher Umsetzung der Mission setzt er seine Glücksmiene auf und schaut, höchst zufrieden, zwischen seinen beiden Eltern hin und her.

Weiterhin ist Alkohol im Atem gefährlich für’s Kind, denn er vergiftet die Raumluft, genau wie Zigarettenqualm. Auch brauchen Babys und Kleinkinder eigentlich noch kein Kissen. Der Arzt, ein respektierlicher älterer Mann, der damals die „Abschlussrede“ vor der Entlassung der Mütter und ihrer Neugeborenen aus der Wochenbettstation hielt, hat uns außerdem über die Gefahren von Kuscheltieren und -tüchern im Babybett, sowie über die Erstickungsgefahr bei Bernsteinkettchen aufgeklärt. Das alles ist für mich eigentlich common sense, und doch denke ich, dass es gut ist, wenn einem auch die einfachsten Sachen noch einmal gesagt werden.

Viel Nähe, Vertrauen und ruhigere Nächte

Das Familienbett ist für mich ein guter Ausgleich zum eher unruhigen Alltag mit zwei Kindern. Hand auf’s Herz, wann nimmt man sich denn schon Zeit dafür, seine Kinder einfach nur im Arm zu halten, minutenlang? Ich genieße diese innige Zweisamkeit mit meinem Sohn sehr. Ist er sicher, fühle ich mich wohl, denn ich kann ihn beschützen und sofort zur Stelle sein, wenn er schlecht träumt, einen Nachtschreck hat oder aus anderen Gründen wach wird. Ich glaube, es wirkt sich positiv auf das Kind aus, wenn es nicht alleine im dunklen Zimmer aufwacht, sondern die Eltern atmen (oder schnarchen) hört und sich im Halbschlaf einfach an sie anschmiegen kann, wenn es denn möchte. Unsere Nächte sind ruhiger, weil es kein Aufstehgewusel oder Weinen gibt. Ich finde Co-Sleeping wundervoll, denn ich fühle mich ausgeruhter und entspannter, wenn ich mit meinem Kind das Bett teile. Klar bleiben uns Eltern manchmal nur 40 cm, den Rest nimmt der Sohn querliegend für sich ein.

Manchmal wache ich in exakt der selben Position auf, in der ich eingeschlafen bin, auf der Seite liegend, die jeweilige Schulter kaum noch spührend. Dann stehe ich ganz vorsichtig auf, in Zeitlupe, den Rücken gekrümmt wie ein 90-jähriger Kumpel und versuche, mich möglichst leise zu entfalten. Das alles tue ich nur, um meinen Monsieur nicht zu wecken. Der schläft nämlich tief und fest, schmunzelt friedlich und liegt in einem Winkel, der es ihm ermöglicht, gleichzeitig a) dreiviertel des Bettes einzunehmen, b) seine Arme möglichst weit auszustrecken, und c) eine seiner Zehen in meinem linken Nasenloch zu versenken. Er ist Co-Sleeping- Profi.

Ich weiß, dass alles seine Zeit hat und ich diese Momente eines Tages sehr vermissen werde. Es wird der Tag kommen, an dem ich nicht mehr die erste Zuflucht für meinen Sohn bin, er viel weniger Nähe einfordert und sich seine Kuscheleinheiten woanders holt. Ich bin verdammt glücklich mit meinem Schmusekerl, auch wenn es manchmal an den Nerven zerrt, so sehr gebraucht zu werden. Sogar meine Tochter kommt neuerdings hin und wieder freiwillig kuscheln, weil sie findet, dass ihr kleiner Bruder, ob seiner babyhaften Hilflosigkeit, ohnehin zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Es meldet sich ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und sie quetscht sich ganz frech zwischen uns – Familienbett sei Dank.

Wie läuft es bei euch, wie sind eure Erfahrungen mit dem Co-Sleeping? Wie vereinbart ihr das Familienbett und die Zeit zu zweit? Ich bin gespannt auf eure Kommentare! 

Eure Jasmin

Follow my blog with Bloglovin

One thought

  1. Ich kann mich auch kaum an eine Nacht erinnern, in der ich ohne Kind im Bett liege. Dafür weiß ich nicht wann genau mein Mann statt meiner Tochter mit im Ehebett lag. Er ist vor langem auf die Gästecouch gezogen um überhaupt Schlaf zu kriegen. Aber was soll ich sagen? Wenn Madame mal untypisch spät danach verlangt zu Mama ins Bett zu kommen mache ich mir direkt Gedanken. Es ist halt doch irgendwie schön- trotz aller Rückenschmerzen.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s