„To impf or not to impf“ – Das ist hier nicht die Frage

Für meine Omi, die ich unendlich vermisse.

Es ist mir bewusst, dass ich mit diesem Artikel sehr viel Kritik ernten werde. Sehr, sehr viel. Ich werde in den nächsten Tagen wohl besser meinen Kopf einziehen und mir eine andere Beschäftigung als das Bloggen suchen, denn aus Erfahrung weiß ich, dass diejenigen, die sich angegriffen fühlen, immer zuerst und besonders heftig reagieren. Darum bitte ich alle Gleichgesinnten: Stilles Abnicken ist manchmal nicht genug. Teilt den Artikel. Redet darüber. Worüber? Darüber:

Impfungen sind kein Teufelswerk

Das Thema „Impfen“ liegt mir sehr am Herzen, es ist sogar so persönlich, dass es weh tut. Jedes Mal, wenn eine Mutter oder ein Vater sagt, „Ich lasse mein Kind nicht impfen aus xyz Gründen“, habe ich einen Kloß im Hals, Wut im Bauch und allerlei weitere Gefühle, eine Mischung aus Unverständnis, Ärger und Angst.

Liebe Impfgegner, dieser Artikel ist nicht für euch. Lest lieber gleich weg, mir ist klar, dass ich euch nicht von eurer Meinung abbringen kann. Und doch dürfen und müssen manche Dinge besprochen werden, auch wenn damit Diskussionen angefacht werden. Zu diesen kontroversen Themen gehört auch das Impfen und die sogenannte „Impfunlust“, die in unserem Land herrscht. „Impfunlust“, als wenn man auf das Impfen gerade keinen Bock hätte sondern lieber Eis essen gehen wollte. An alle unentschiedenen, unsicheren und werdenden Eltern: Impfungen gehören zu den größten medizinischen Errungenschaften der Menschheit. Impfen ist kein Teufelswerk, es ist ein Privileg. Und diejenigen, die sich mal eben gegen das Impfen entschieden haben, können das auch nur ganz beruhigt deshalb tun, weil Generationen von Menschen und Eltern wie ich ihre Kinder lückenlos haben impfen lassen, so dass viele der ehemals tödlichen Kinderkrankheiten ausgerottet werden konnten. Das ist der Verdienst der Impflinge, nicht der Impfgegner. Gern geschehen.

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Ökologisch leben? Gerne. Fahrlässig leben? Nein danke.

Bevor ich absichtlich falsch verstanden werde: Nein, ich werde nicht von der „Impflobby“, also den Pharmakonzernen, der STIKO oder der WHO, bezahlt und ja, ich habe mich kritisch mit dem Thema auseinander gesetzt, denn ich kann lesen. Meine Familie ist sehr daran interessiert, gesund zu leben, wir verzichten größtenteils auf Fleisch, Discountergemüse, Kosmetik mit Mikroplastik und giftige Wasch- und Putzmittel. Wir nehmen nur dann Medikamente, wenn es zwingend notwendig ist. Auf eines verzichten wir jedoch nicht: das Impfen und somit die Gesundheit unserer Kinder.

Ich habe mich nicht bemüht, für diesen Artikel hunderte Internetseiten von Impfgegnern und Impfbefürwortern zu durchforsten, nur um euch die vielen ohnehin ambivalenten Studien um die Ohren zu hauen oder fragwürdige Graphiken zu präsentieren. Was ich euch hier gebe, muss reichen. Zumindest jeder Mutter und jedem Vater, die oder der Mitgefühl in ihren Knochen hat.

Zugegeben, ich habe mein erstes Kind impfen lassen, weil man es so macht und weil es von den Ärzten empfohlen wird. Damit es nicht unnötig krank wird und leiden muss, zum Beispiel. Beim zweiten Kind habe ich mich erneut und sehr bewusst für das Impfen entschieden. Meine Entscheidung basierte auf den Erfahrungen meiner Vorfahren und hatte somit einen sehr persönlichen Hintergrund. Glücklicherweise hat nicht jeder diesen persönlichen Hintergrund, der einem hilft bei der Entscheidungsfindung. Und weil ich nicht jedem Impfgegner die Memoiren meiner Großmutter ins Gesicht klatschen kann, habe ich mich dafür entschieden, einen Auszug daraus zu veröffentlichen und an dieser Stelle mit euch zu teilen. Ich habe über die folgenden Worte viele Stunden viele Tränen vergossen und noch vielmehr Stunden darüber nachgedacht. Ich hoffe, ihr tut das auch, liebe Leser.

Wenn mein Kind leidet, zerreißt es mir das Herz. Welcher Mutter, welchem Vater nicht?

Der Hintergrund: Meine Großmutter wurde im August 1930 geboren und verstarb im Februar 2016. Sie hinterließ mir ein dickes, rotes Buch, in dem sie ihr Leben schildert, voller Fotos, Briefe und Dokumente, ihre Autobiographie. Der folgende Auszug stammt aus dem Jahr 1945, aus der Zeit nachdem meine Oma mit ihrer Mutter, der Großmutter und ihrem Bruder aus ihrem Heimatort, Liegnitz, vertrieben worden waren und in einer verlassenen Wohnung mit dutzenden anderen Flüchtlingen in einem Ort namens Langenwaldau Unterschlupf fanden:

„Die Erkrankung und der schnelle Tod meines 2jährigen Bruders trafen uns trotz des allgegenwärtigen Unglücks um uns herum dennoch mit ganzer Wucht und fassungslosem Schmerz. Eben war der Kleine noch munter aus seinem Bettchen zum Spielen auf dem Hof gestiegen, als er schon weinend zurückkehrte und aufs Töpfchen wollte und bedeutete, daß ihm seine Beinchen wehtun.

Dann verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rasend schnell. Ein Arzt oder eine Krankenschwester konnte meine Mutter unter den mit uns Vertriebenen nicht ausfindig machen. Wir versuchten nur mit den uns zur Verfügung stehenden Hausmitteln seinen Durchfall zu stoppen, obwohl wir als Laien gar nicht wußten, welche Krankheit ihn befallen hatte. Meine verzweifelte, aber immer noch couragierte Mutter packte also ihren kleinen (wie sie erfühlte) todkranken Sohn in den Kinderwagen und suchte die dörfliche Kommandantur auf, so sie um einen Passierschein bat, um mit dem Kind das verlorene Dorf verlassen zu dürfen und ein sowjetisches Krankenhaus, das in Liegnitz existierte, aufsuchen zu können. Sie dachte in dieser Situation gar nicht an die Gefahren und Strapazen eines einsamen Weges und Unterfangens, sie wollte nur unter allen Umständen ihr Kind retten. Den Passierschein hat sie nicht bekommen, und ohne diesen ließen die Posten an der Ausfallstraße sie nicht durch. So kam sie, ohne Hilfe für das Kind, nur von den erbarmungslosen Worten der Dolmetscherin der Kommandantur begleitet: „In Rußland sind viele Kinder durch die Deutschen gestorben, deshalb schadet es nicht, wenn ein deutsches Kind stirbt“, zurück.

So fiel der kleine Junge, das Vermächtnis meines Vaters, in einen quälenden Todeskampf. Es war für mich unerträglich, dieses Leiden mitansehen zu müssen. Es traten zuerst Lähmungen in den Beinchen auf, die sich nach oben gehend schnell verbreiteten, bis sie die Lungen erfaßten und er nach Hilfe und seiner Mama rief. Das konnte ich nicht mehr ertragen und stürzte aus dem Zimmer und kam erst wieder auf einem Feld hinter dem Gehöft zu mir, in dessen Erde ich mich verkrallt hatte.“

Das sind keine Fake News, keine Lügenmärchen oder Lobbytalk, liebe Leser, das ist die brutale Wahrheit. Der kleine Junge erlag qualvoll einer Krankheit, für die es erst seit den 1950er Jahren eine Impfung gibt: Poliomyelitis, also Kinderlähmung. Meine Oma hat unter grausamen Umständen ihren zweijährigen Bruder verloren, ihre Mutter einen Sohn, ihre Großmutter einen Enkel und ich meinen „Onkel“ Rainer. In den Memoiren liegt ein Foto anbei und eine kleine Locke, die meine Oma nach Rainers Tod abgeschnitten hat. Und wieder füllen sich meine Augen mit Tränen, sie laufen und laufen und ich fühle mich schrecklich. Doch ich fühle mich bestimmt nicht ansatzweise so schrecklich, wie meine Urgroßmutter und meine Oma es damals empfunden haben müssen. Als meine Oma noch lebte, hat sie mir oft von ihrem Bruder erzählt, zu seinem Tod war sie erst 14 Jahre alt. Sie hat ihn geliebt wie einen Sohn, sagte sie immer. Es war für sie der schlimmste Verlust in ihrem Leben, die „zweite große Katastrophe“ nach dem Tod ihres Vaters an der Front, und auch 70 Jahre später hat sie noch unter diesem tragischen Verlust gelitten. Sie hatte regelmäßig Albträume, von Kindern, die sie nicht retten konnte. Als ich die Worte meiner Oma zum ersten Mal las, war mein Sohn gerade ein Jahr alt. Und obwohl ich das Schicksal schon kannte, trafen mich ihre Worte wie ein Donnerschlag. Ich hatte Bilder im Kopf, Bilder von meinem kleinen Sohn, der grausame Qualen leidet, unfähig zu verstehen was passiert, und der von mir, seiner Mutter, Linderung fordert, die ich ihm nicht geben kann. Ich möchte das nicht durchmachen müssen. Niemand möchte das durchmachen müssen.

Impfungen retten Leben!

Mir ist über dieses Stück Familiengeschichte eines klar geworden: Ich bin nicht machtlos und werde es nicht riskieren, dass meine Kinder ein solches Schicksal ereilt, schon gar nicht wegen hätte-könnte-sollte. Es könnte sein, dass Impfungen Nebenwirkungen haben und eventuell könnten sie auch Krankheiten triggern. Sicher ist aber, dass es Krankheiten gibt, die ohne Impfschutz tödlich verlaufen.

Hätte es damals, zu Zeiten des Krieges zum Beispiel, bereits die heutigen Impfstoffe gegeben, glaubt ihr, die Menschen hätten gesagt „Ich lasse mein Kind nicht impfen“? Hätte es eine „Impfunlust“ gegeben? Ganz sicher nicht. Die heutige „Impfmüdigkeit“ zeigt nur, dass es uns zu gut geht. Vielleicht wird auch einfach die Gefahr unterschätzt. Viele Krankheiten haben schlichtweg ihren Schrecken verloren, denn man hat ja nie einen Betroffenen gesehen, weder in der eigenen Familie noch im Bekanntenkreis. Wie kann jedoch die Furcht vor eventuellen Nebenwirkungen größer sein als die Angst vor einer schweren Krankheit? Sicher, viele Krankheiten, wie etwa Typhus, Diphterie und Cholera, gelten beinahe als ausgerottet. Ist die Gefahr damit gebannt? Nein! In Deutschland gab es den letzten registrierten Fall von Poliomyelitis, also Kinderlähmung, im Jahr 1992. Außerhalb Europas gibt es jedoch bis heute Neuinfektionen – im Zuge der Globalisierung kann also das Virus, z.B. durch Reisende, auch bei uns wieder ausbrechen.

Es treten nachweislich immer wieder Fälle auf, in denen als ausgerottet geltende Krankheiten die Runde machen. Weil das Impfnetz eben nicht dicht genug gewebt ist. Wegen der Impfgegner, die nichts Besseres zu tun haben, als dagegen zu sein. Die Gründe dafür finde ich oft mehr als fadenscheinig. Obwohl in der ehemaligen DDR geboren bin, wo das Impfen Pflicht war, kenne ich persönlich kein geimpftes Kind, dass Schaden an den Impfungen genommen hätte. Ich kenne aber ein Kind, dass Schaden davon genommen hat, nicht geimpft gewesen zu sein: Sein Name ist Rainer K.

 

 

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5 thoughts

  1. Vielen Dank für deinen Artikel und sehr mutig. Ein Thema über das ich noch nichts geschrieben hab, wegen der unsachmäßgen, egoistischen Meinung unserer Mitmenschen.
    Sehr schade, das immer noch Kinder oder kranke Menschen an Krankheiten sterben, die man hätte verhindern können.
    Unser alter Hausarzt kam aus Belgien in jungen Jahren in unsere Stadt. Er zählte das er damals ein kranken Kind hatte und er nicht wusste was es hatte. Er rief seinen damaligen Kollegen (einen sehr alten Arzt) an und erzählte ihm das. Der Kollege sagte es sei Keuchhusten. Unser Arzt war geschockt, sowas gab es ihn Belgien nicht mehr, weil dort geimpt wurde und die Krankheit einfach nicht mehr existierte. Er kann die Impfgegener in Deutschland nicht verstehen. Ein Beispiel von vielen!

    Desweitern haben wir unser Wunschkind komplett geimpft. Erstens damit es nicht leidet und krank wird und zweites damit er niemanden ansteckt. Ich finde es nicht sozial (mir fallen da schlimme Wörter ein), anders Leben zu reskieren und irgendwelche Gründe aufzuführen. Klar gibt es einen Miniprozentsatz wo Kinder durch impfen krank werden, die hatten aber auch schon Vorkrankheiten oder Gendefekte.

    Ich persönlich wäre für eine 100 % Impfpflicht! Wer nicht impfen lässt sollte gezwungen werden. Mein Mann wäre für empfindliche Geldstrafen, ich ginge da schon drastischer daher – so drastisch das ich es nicht schreiben möchte.

    Liebe Grüsse
    Alex

    https://impressionsoflifesite.wordpress.com/

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank liebe Alex für Deinen Kommentar! Ich kann mich Deiner Meinung nur anschließen – Impfpflicht für alle. Doch ich höre schon förmlich den Aufschrei der Impfgegner: Körperverletzung! Bevormundung! und so weiter und so fort. Geldstrafen wären sicher angebracht für die, die fahrlässig andere, schwache Menschen gefährden, aber ich befürchte, dass sich das bei uns leider nicht durchsetzen lässt, sind wir doch ein so demokratisches und aufgeklärtes Land. Ich finde ja außerdem, dass ungeimpfte Kinder nicht in eine Kita gehören. Was habe ich damals für Ängste ausgestanden, als meine Madame täglich in die Kita ging und ich mit meinem neugeborenen Monsieur zu Hause war! Bleibt zu hoffen, dass die Menschen zur Vernunft kommen und gegen die Dinge rebellieren, die in unserer Gesellschaft wirklich schief laufen. Ich habe da viele Ideen😉

      Gefällt 1 Person

    1. Liebe Nora,

      danke für Deinen Kommentar! Ich betrachte die Impfdebatte aus einer sehr emotionalen Sichtweise und hoffe, dass ich damit diejenigen erreichen konnte, die sich noch unschlüssig sind, was das Thema Impfen angeht. Und wenn man sich überlegt, dass es wirklich gerade auf der Welt Kinder gibt, denen es so ergeht, ja dann wird das Leid auch irgendwie greifbarer. Kinderkrankheiten sind eben kein Thema der vergangenen Jahrzehnte, sondern in manchen Teilen der Erde immer noch aktuell. Das wissen viele Eltern gar nicht, glaube ich, und deshalb ist Aufklärung, wie auch mit Deinem Artikel, bei uns weiterhin wichtig. Bei meiner Recherche hatte ich den Eindruck, dass es eine große Bewegung gegen das Impfen gibt, aber wenige, die sich offiziell dafür aussprechen, mal abgesehen von „den Medien“ und der WHO/STIKO, die aber für viele Menschen als nur gesichtslose Organisationen wahrgenommen werden.

      Herzliche Grüße
      Jasmin

      PS: Ich mag Deinen Blog und lese ab jetzt fleißig darin!

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