Mein DIY-Adventskalender – Fluch oder Segen?

Ich muss wohl irgendwie zu viel Zeit haben. Oder zu viel aufgestaute Energie. Oder beides. Schuld ist wahrscheinlich Pinterest mit seinen süchtig machenden Bastelanleitungen zu jedem Thema für jeden Raum jeder Behausung, sei es Honigwabe oder Industrieloft. Jedenfalls verspürte ich dieses Jahr die unbändige Lust darauf, den Adventskalender für die Kinder selbst zu designen.

Nicht das selber machen unbedingt günstiger wäre als selber kaufen. Ich habe in den letzten Wochen viele Kalender gesehen, doch irgendwie hat mir nichts von dem gefallen, was es auf dem Markt so gibt. Ob Lego, Annaelsa, Ponys, Gnome, Pfotenfreunde oder Autos, es gibt sogar Kalender voller Minibücher für das bildungsnahe Elternhaus – ich fand alles laaaaangweilig. Und jeden Tag Süßigkeiten? Gibt’s doch um die Weihnachtszeit eh schon genug.

Es war schnell beschlossen – dieses Jahr wird der Adventskalender selbst erdacht. Die Vorteile liegen auf der Hand: erstens kann ich die kleinen Überraschungen individuell aussuchen und zweitens das Teilen und die Geduld meiner Kinder fördern. Obwohl es recht aufwändig ist, viele Kleinigkeiten zu finden, die langlebig, sinnvoll und praktisch sind, vermeide ich so einmal mehr Ramsch im Kinderzimmer.

Nun bin ich leider nicht die geduldigste Bastlerin unter der Sonne, daher stand eines sehr schnell fest: ich wollte was mit Tüten. Am liebsten schön öko und rustikal aus braunem Papier. Die 24+ Tütchen an eine Schnur zu fädeln schien mir zu einfach. Ein Zweig? Meh. Bei Pinterest habe ich mich von verschiedenen Beispielen virtuell berieseln lassen, aber die eigentliche Inspiration bekam ich von einer Deko-Zeitschrift mit gängigem Frauennamen. Ich brauchte nur eine Art Gerüst, an dem ich die Tütchen, etwa mit Holz-Wäscheklammern, befestigen konnte.

Ein bisschen Recherche brachte mich auf die günstigste Lösung: ein Rankgitter aus dem Baumarkt. Da es an die Wand geschraubt wird, muss das Ding natürlich ebenso schlicht wie schick aussehen, also habe ich das gute Stück mit Goldfarbe besprüht. An der Wand ist diese goldene Installation eine Augenweide, unaufdringlich und selbst ohne Deko schon irgendwie ein Hingucker. Passend zur Jahreszeit dekoriert ist sie der Knaller. Eine Lichterkette und ein paar Weihnachtsbaumkugeln später hatte ich schon eine ordentliche Weihnachtsdeko geschaffen.

Nächster Schritt: Tüten besorgen. Braune, hübsche Papiertüten könnte ich problemlos bei Amazon bestellen, doch war mir öko und rustikal dann doch irgendwie zu teuer. Ich habe mich für einfache, weiße Frühstückstüten aus der Drogerie entschieden. Das Problem: die Tüten sind leicht durchsichtig. Die Lösung: Washi-Tape! Das nutze ich oft wenn ich Bilder rahme (oder einfach nur an die Wand klebe). Nun unterscheidet grünes und rotes Tape die Madame- und Monsieur-Tütchen. (Life Hack für den besten Papa: Jetzt weiß auch er, wer mit dem Öffnen dran ist! Bam.)

Dazu noch neckische Aufkleber 1-24 und natürlich viele kleine Kleinigkeiten, beispielsweise Pixi-Bücher, Haargummis, Schmuck, Stempel, Stifte, Kosmetika wie Badeschaum und altersgerechte „Schminke“, Matchbox oder ähnlich kleine Autos, Puppenkleidung und Accessoires, aber auch Süßigkeiten wie Kaugummi, Überraschungseier und Schokolinsen.

Einige wundervolle Sachen wie z.B. ein Feuerwehrauto aus Holz, eine kleine Drachen-Schneekugel und ein Biegeäffchen habe ich in meinem dänischen Lieblingsnippesgeschäft entdeckt, Jumping Lion oder so ähnlich. Dort findet auch Mama für sich gerne eine absolut notwendige Kleinigkeit, ohne dabei das Budget zu sprengen. Zum Beispiel einen Ringhalter in Einhornform. Brauchte ich. Dringend. Wirklich.

Das Befüllen, Verzieren und Verteilen der Tüten musste leider bis in die späten Abendstunden des 30. November warten. Es ist nämlich schier unmöglich, etwas vor meiner Tochter, alias Sherlocke Holmes, geheim zu halten. Sie ist eine äußert erfolgreiche Detektivin und spürt sofort, wenn etwas sich im Raum verändert hat. Stellt bohrende Fragen. Kramt in allen Kisten und Kästchen, Schachteln und Schubladen die ihr spannend erscheinen. Das Kind findet alles, was es nicht finden soll, auch Mamas liebsten Schmuck und Mamas Nagellack. Nur auf dem höchsten Regal in der hintersten Ecke desselben sind die Dinge vor ihr sicher. Ich hätte 26 Tütchen mit kleinen Geschenken nicht tagelang vor ihr verstecken können. Niemals.

Kalender-Collage
Fertig! Mein selbst gemachter Adventskalender

Nach ungefähr zwei Stunden, davon allein anderthalb des Tüftelns wer was wann bekommt, war der Kalender endlich fertig und ich konnte den nächsten Tag kaum erwarten. Ich liebe es, meine Kinder zu überraschen, und so freute ich mich am Morgen natürlich rasend über das „WOW!!!!!“ meiner Tochter und das geechote „Wauwww“ meines Sohnes. „Hast Du den gebastelt, Mama?“ „Ja, gemeinsam mit dem Nikolaus und dem Weihnachtsmann.“ Staunen. Tochter deklariert den 1. Adventskalendertag und ist als Erste dran. Noch im Kindergarten schwärmt sie von ihrem Kalender. Mama ist stolz auf ihr Werk.

Erstes-Tuerchen
Das erste Tütchen darf geöffnet werden!

Am 2. Adventskalendertag geschah das, was ich insgeheim schon befürchtet hatte. Adventskalender basteln ist ein Klacks, Türchen öffnen nicht! Die fieseste Mama der Welt hatte trotz allen Basteleifers entschieden: zwei Kinder, ein Kalender. Alles andere wäre übertrieben und nähme dem Kalender das Besondere. Die Tütchen werden also im Wechsel geöffnet, nur am Nikolaustag und an Weihnachten gibt es für jeden ein eigenes.

Aus diesem Grund besteht also eigentliche Herausforderung bei unserem Adventskalender darin, die Tränen meiner 4-jährigen Tochter an jenen Tagen zu trocknen, an denen sie nicht dran ist mit dem Tütchen öffnen. Und ihr mit Engelszungen zu erklären, dass „abwechselnd“ nicht gleichbedeutend ist mit „unfair“. In solchen Momenten summe ich gerne und sehr beiläufig die Melodie zu „Teilen macht Spaß“ von Cirkus Lila. Für diese Anspielung ernte ich tochterseits sehr vorwurfsvolle wie auch schuldbewusste Blicke. Sie wird es verstehen, sie hat ja noch 22 Tage voller Gefühlswechselbäder vor sich bis das Weihnachtsfest die Erlösung bringt.

Vielleicht hilft es aber auch, dass Oma es nicht lassen konnte und hinterrücks für beide Kinder einen eigenen Schokokalender mitgebracht hat. Einen mit Ponys und einen mit Hunden. Selbst gekauft.

Ich finde, der Aufwand hat sich durchaus gelohnt und ich freue mich jeden Morgen beim Tütchen öffnen dabei zu sein. Und jetzt will ich es wissen! Wie steht ihr zum Thema: Adventskalender – DIY oder BIY? Ich freue mich auf Eure Kommentare und Bilder! Ich liebe Bilder!

 

 

 

 

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