Stillen Rocks! Warum ich zu faul bin, Fläschchen zu machen

Neben all den unzähligen Hebammen-Homepages, Stillratgebern, Alete-Broschüren, Ärzten, Omas und Schwiegermüttermeinungen habe auch ich eine klare Meinung zum Thema Stillen: Ich finde, dass jede Frau es damit halten soll, wie sie will. Sollte mich aber jemand zu meiner Position befragen, so werde ich sehr bestimmt und ohne Umschweife jeder werdenden Mutter dazu raten, es zu tun. Oder es zumindest zu versuchen.

Nach der Entbindung meiner Tochter war ich das Paradebeispiel für ein perfektes Gefühlschaos: völlig fertig und überglücklich und ratlos und panisch zugleich. Die vielen neuen Eindrücke haben mich schlicht überfordert, diese zerbrechliche Wesen in meinen Armen, seine Hilflosigkeit, meine Hilflosigkeit und die Angst, etwas falsch zu machen. Ich habe die Schwester im Krankenhaus nur blöd angeguckt, nach dem Motto „Anlegen? Wo ist denn der Hund?“ und fand es durchaus befremdlich, mir von dieser unbekannten Person an den Busen grapschen zu lassen. Ich traute mich ja kaum, mich mit dem winzigen Baby im Arm zu bewegen, geschweige denn es zu wickeln oder sonst irgendwie umher zu wurschteln. Für ein Neugeborenes ist das Trinken an der Brust ein Kraftakt, und auch mich hat es viel Kraft und Nerven gekostet. Am Anfang lief nämlich erstmal gar nichts! Bis es mit dem Milchfluss klappte, musste ich mich allerlei Hilfsmittelchen bedienen: „Brusthütchen,“ zum Beispiel, mögen in der Fantasie ein niedliches Bild abgeben, die Realität hat mich jedoch eines besseren belehrt. Das Geräusch einer elektrischen Milchpumpe hat mein Mitgefühl für Milchkühe deutlich erhöht, ich pumpte fortan lieber händisch. Und: mach‘ dich darauf gefasst, dass du und dein Still-BH sehr viel Zeit miteinander verbringen werdet, denn wenn die Muttermilch fließt, dann kennt sie keinen Tag-und-Nacht-Rhythmus, keine Pause, kein Erbarmen! Die einzige Aufgabe eines Still-Bhs in der Nacht ist es übrigens, die Stilleinlagen an Ort und Stelle zu halten. Meine Brüste hätten sich sehr über ein nächtliches Luftbad gefreut, aber die blöden Klebestreifen an den Einlagen haben ungefähr dieselbe Klebkraft wie die Ahorn-Samen, die wir uns als Kinder immer auf die Nasen geklebt haben. Just saying.

Aller Anfang ist schwer! Wenn aus einer Schwangeren innerhalb weniger Stunden eine Mutter wird, dann sind das tiefgreifende Veränderungen, die da passieren. Keine Frau kann und wird alles von Anfang an perfekt machen. Ich kann dich beruhigen: die Natur möchte gerne, dass du dein Baby versorgst. Du kannst das, denn dein Körper hat sich in den vielen Monaten deiner Schwangerschaft darauf eingerichtet. Lass ihn machen! Ich empfehle an dieser Stelle stets, auf das Bauchgefühl zu hören. Lass dir nicht reinreden! Wenn du dein Baby gerne stillen möchtest, dann mach es! Wenn nicht, dann nicht, du sollst dich ja nicht quälen. Stillen ist so individuell wie jede von uns. Manche Mütter stillen drei Monate, manche jahrelang. Bitte lass dich von Startschwierigkeiten nicht entmutigen! Und noch etwas: Lass dir von deinem Partner nicht reinreden! Männer haben leider keinen blassen Schimmer davon, was es bedeutet, ein Kind auf die Welt zu bringen und Mutter zu sein. Das tut mir zwar sehr leid für die Männerwelt, aber es ist vermutlich besser so.

Du willst oder kannst deine Milchbar nicht rund um die Uhr zur Verfügung stellen? Dann finde doch deine eigene Balance aus Stillen und Zufüttern! Stillen ist die gesündeste Weise, ein Baby zu ernähren. Bla bla. Aber weisst du was? Stillen ist auch die bequemste Weise, dein Baby zu ernähren! Soll noch einmal jemand sagen, es sei anstrengend, zu Stillen. Alles Quatsch. Hier meine 5 ultimativen Gründe für das Stillen:

  • Stillen ist bequem
  • Stillen ist billig
  • Stillen schweißt zusammen
  • Stillen bringt Ruhe
  • Stillen ist gesund

Warum Stillen bequemer ist als ein Fläschchen zuzubereiten? Hm. Bist du schon einmal um 4 Uhr morgens völlig übermüdet und mit schreiendem Baby im Arm in die Küche getapst, hast das Fläschchen sterilisiert, Wasser gekocht und Milchpulver überall rumverkrümelt? Eben. Es geht so viel einfacher: Kind quengelt. Shirt hoch. Andocken lassen, fertig. Stille(n). Manchmal habe ich nicht einmal mehr die Augen aufgemacht.

Stillen ist darüber hinaus auch viel günstiger als Milchpulver und das ganze Gedöns. Die Brust ist da, Milchpulver muss gekauft werden. Tatsächlich kostet die Milchnahrung für das erste halbe Jahr ca. 35-50 Euro im Monat, hinzu kommen die Kosten für Fläschchen und Sauger, Sterilisiergerät, Bürsten etc., also noch einmal etwa 50 Euro obendrauf. Dafür könntest du dir aber auch etwas Schönes kaufen. Oder deinem Baby.

Stillen schweißt zusammen. Nichts gegen stundenlange Bilderbuchsessions, Fingerspiele und Hoppe-hoppe-Reiter-Arien. Aber. Auch Stillen ist Qualitätszeit! Beim Stillen bist du deinem Baby näher als jemals sonst im Alltag. Dein Kind wird diese Exklusivzeit mit dir mehr genießen als jedes KuckuckwoistdasBaby. Gib ihm diese Zeit! Es wird dich dafür lieben und überglücklich sein, weil es dich riechen und anfassen kann. Du gibst ihm das ultimative Gefühl der Geborgenheit. Du sagst deinem Kind: „Hey, ich bin für dich da, ich kümmere mich um dich, ich liebe dich mit Haut und Haar.“ Ist das nicht toll?

Stillen bringt Ruhe in deinen stressigen Alltag. Selbst eine oxytocinberauschte, frischgebackene Mama sieht nicht den ganzen Tag regenbogenpupsende Einhörner um sich herum tanzen. Manchmal möchte man einfach seine Koffer packen, Familie und Haushalt hinter sich lassen und für vier Wochen in ein Spa am Fusse des Ramalamadingdong einchecken. Ich bin allerdings weder reich noch wahnsinnig – praktisch ließe sich diese Idee jedoch nicht so einfach umsetzen. Doch kürzlich ist mir etwas aufgefallen: ist der schuldige Kindsvater anwesend, kann ich mir viel einfacher eine kleine Auszeit verschaffen. Mit den Worten „Das Kind ist müde und hat Durst!“ ziehe ich mich schnurstracks ins heimische Schlafzimmer zurück und lasse den kleinen Engel solange trinken, wie ich will. Kaum jemand wird sich trauen, diesen heiligen Moment der Zweisamkeit und des friedlichen Eindösens zu stören. Ein sattes Baby ist übrigens auch ein zufriedenes Baby und wird auch für die Dauer einer halben Glamour wach und friedlich umherliegen.

Last but not least: Stillen hält gesund, dich und dein Baby. Muttermilch ist in ihrer Zusammensetzung unübertroffen. Keinem Labor ist es bisher gelungen, Muttermilch in ihrer Komplexität nachzubauen – auch nicht denen der großen Säuglingsnahrungshersteller. Muttermilch ist optimal auf die besonderen Bedürfnisse deines Babys abgestimmt und schützt dein Kind vor Krankheiten, Allergien und sogar Fettleibigkeit. Aber auch dir tut das Stillen gut! Stillen fördert die Rückbildung der Gebärmutter und die Ausschüttung von Glückshormonen im Gehirn. Stillen macht die Seele heil. Natürlich hast du das alles schon tausendmal irgendwo gehört oder gelesen. Aber wusstest du auch, dass Stillen das Brustkrebsrisiko mindert? Dazu hat das Deutsche Krebsforschungszentrum entsprechende Studien veröffentlicht. Bei uns in Deutschland erkrankt laut Statistik jede 10. Frau irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs. Stillen ist also eine vorbeugende Maßnahme nicht nur für die Gesundheit deines Kindes, sondern auch für deine eigene.

So, jetzt ist es raus. Ich bin glückliche Mutter, weil ich gestillt habe. Trotz anfänglichen Schwierigkeiten, Schmerzen, Tränen, Stress. Es ist eine besondere Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte. In diesem Sinne: Liebe Mamas, seid faul und hoch das Shirt!

Eure Jasmin

Dieser Artikel nimmt teil an der Blogparade „Stillen ist Liebe“ des wunderbaren Krümel Blog. Weitere Artikel zu diesem schönen und wichtigen Herzensthema gibt’s hier:
https://kruemel.blog/2018/01/12/blogparade-auf-dem-kruemel-blog-stillen-ist-liebe/

Vielen Dank an Kruemelina vom Krümel Blog ! Keep spreading the love!

Mit diesem Artikel nehme ich auch an der Blogparade (Ab-)gestillt teil. Wenn ihr mehr tolle Erfahrungsberichte zu diesem Thema lesen wollt, dann schaut doch einfach mal auf doppelkinder und/oder LÄCHELN UND WINKEN vorbei.

 

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