Und ich lieg‘ zu Haus und stinke.

Alle machen immer was, meistens ist das Karriere. Die einen machen „in Musik“ oder „in Film“, die anderen sind Ärzte, Anwälte, Banker, Berater oder alles auf einmal. Wer nicht gerade rund um die Uhr ackert, der verreist natürlich. Ihr macht Weltreisen, Traumreisen, Reisen zu euren Wurzeln oder gleich auf den Mond. Ihr verwirklicht euch ununterbrochen selbst, habt damit bahnbrechenden Erfolg, schreibt am laufenden Sammelband Bücher, Kolumnen und Gedichte oder erfindet täglich einen schlauen Spruch, der irgendwas mit Keep Calm und Friss Chiasamen oder so lautet. Jeden Tag ereilt euch ein neuer, gelebter Traum auf Facebook, die Bilder zeigen euch leicht überbelichtet auf Instagram. Und die Freunde! So viele! Ihr wisst gar nicht wohin mit euch, mit wem zuerst, was wann wo, Hauptsache bald, es gibt doch so viel zu erzählen. Job gewechselt. Marathon gelaufen. Aufgestiegen. Im Ashram gewesen. Die Welt auf dem Fahrrad umrundet. Den Mount Everest bezwungen, Brunnen in Afrika ausgehoben, 1000 tolle Menschen kennengelernt. Dahinter steht meine leise Frage: Bin ich eigentlich der einzige langweilige Mensch auf der Welt? Ohne Band, Buch, oder Busen-OP? Ja.

Ich bin nämlich Mama. Auf dem Arbeitsmarkt gelte ich als unflexibel (die Kinder könnten krank werden) und unzuverlässig (Kinder sind ständig krank!). Zwei echte Menschen habe ich geschaffen, nur zwei winzige Spermien haben mir dabei geholfen, monatelang litt ich für sie und mein Leben lang werde ich mit ihnen leiden, und das tue ich verdammt gerne. Nicht der Rede wert. Für den Fortbestand der Menschheit habe ich gesorgt, die Welt, vor allem meine Welt, fröhlicher gemacht und Deutschland wieder jünger. Ein Kinderspiel. Ich erziehe die kleinen Dinger zu vernünftigen Menschen mit vernünftigen Ideen, ich will dass sie es einmal besser haben als ich, leichter. Täglich koche ich für sie und putze fort was vom Tage übrig blieb. Das mache ich mit links (das Gegenteil von rechts, ohne Verknüpfungen). Hätte ich einen Foodblog, dann könnte ich super appetitliche Bilder von unserem Mittagessen posten, aber wer will schon Fotos von Pastinakenbrei und Würstchen. Zu wenig Schischi und Trara und Likes und Followers. Zu wenig Lifestyle. So mache ich jeden Tag dasselbe, kümmere mich um die Familie und unser Heim, alle haben es schön und keiner hat es gemerkt. Abends schaue ich mir dann an, was ihr wieder den ganzen fabelhaften Tag lang erlebt habt, verstecke mich hinter meiner Belanglosigkeit, bin ganz gelb vor Neid und hoffe, dass es keiner merkt. Ihr hattet ein CEO-Meeting via Skype, Black Friday shopping in New York und am Abend ein fancy Dinner, Achtzehnte Ecke Broadway. Ich habe es heute nichtmal in die Dusche geschafft. Ihr sucht den Sinn des Lebens, hashtag42. Ich habe ihn gefunden und liege zu Haus‘ und stinke. Und das ist das.

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7 thoughts

  1. Liebe Jasmin,

    Oh mag deine Art zu schreiben. Ich hoffe das behältst du bei, ich behalte dich nämlich im Auge ;)

    Ps: ich war heute auch. Ich dusche n und Trockenshampoo ist mein Freund ;)

    Pps: Beim kommentieren färbt sich das Feld Petrol. Ich mag die Farbe, mag aber auch sehen, was ich geschrieben habe 🤓 Wenn du das änderst, melde ich mich gern wieder.

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    1. Liebe Sarah,

      danke für Dein Feedback! Ich habe mich sehr gefreut :)
      Und Du hast Recht, das mit dem sich Petrol verfärbenden Feld ist wirklich eine nette, aber auch sehr unpraktische Sache. Ich setz‘ mich gleich dran und ändere es…auf Anhieb habe ich zwar noch keine Ahnung wie, aber man lernt ja bekanntlich nie aus!

      In diesem Sinne, bis bald!

      Gefällt 2 Personen

      1. Nun ist es immer noch so, leider kann ich den Kommentarbereich meines Themes im nicht-bezahl-modus bei WordPress nicht so einfach anpassen. Zu Weihnachten schenk ich mir ein Upgrade und dann wird’s besser, versprochen. Würde mich trotzdem freuen Dich als WordPress-Freund zu begrüßen, ich freue mich ja immer furchtbar über Lob und auch über konstruktive Kritik😉
        Viele Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit wünsche ich Dir, liebe Sarah!

        Gefällt 1 Person

    1. Liebe Lena,
      danke für Deinen Kommentar! Irgendwie scheint der Tag doch einfach zu wenige Stunden zu haben ;-)
      Habe mal in Deinen Blog reingelesen…sehr interessant! Ordnung ist ja bekanntlich das halbe Leben (was habe ich damals immer die Augen gerollt bei diesem Satz), und gerade jetzt, als Mama, habe ich gelernt, wie viel Zeit und Nerven eine vernünftige Organisation erspart. Mach weiter so, Du hast eine neue Leserin gewonnen!

      Herzliche Grüße, Jasmin

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